Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier e.V. und dem Verein Lottihof für Kinder und Tiere

Endstation Lottihof: Und wer trägt die Kosten?

Christine Geburtig an Ihrem PC. Einen Gnadenhof wie den Lottihof zu betreiben, bedeutet weit mehr als Tiere füttern: jede Menge Büroarbeit zum Beispiel. Foto: © aktion tier Lottihof

Immer wieder stolpern wir über Vorwürfe, warum wir denn keine Tiere aufnehmen und wenn doch, dann auch noch Geld verlangen, oder andersherum auch noch Geld verlangen, wenn jemand ein Tier aus dem Tierheim aufnehmen möchte.

Von Yvonne Goltz | Juni 2017

Der Lottihof versorgt sehr viele Tiere, die abgegeben oder gefunden oder gar beschlagnahmt wurden. Doch auch wir, so wie viele andere Tierschutzeinrichtungen auch, stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen. Die Versorgung der Tiere kostet natürlich Geld, sodass auch wir bei einer erfolgreichen Vermittlung eine Gebühr erheben, um die bisher entstandenen Kosten ein wenig zu minimieren. Ich finde es immer wieder traurig, dass es so viele Menschen gibt, die sich unüberlegt ein Tier anschaffen und es dann wieder „loswerden“ wollen, wenn es dann doch lästig wird. Dabei rede ich nicht von persönlichen Umständen (Todesfall, Krankheit, plötzliche Arbeitslosigkeit etc.), bei denen es auch schmerzhaft ist, sich von seinem geliebten Tier zu trennen und es womöglich keine andere Lösung gibt als ein Tierheim.

Auch Meerschweinchen verursachen Kosten

Eine vor kurzem erlebte Situation möchte ich hierzu kurz schildern: Jeden Samstag kommen unsere zahlreichen Stammkinder zu uns und packen kräftig mit an. Sie versorgen und pflegen mit uns die Tiere, helfen beim Ausmisten und bauen sehr viel mit uns, z.B. Insektenhotels, Vogelhäuser oder Höhlen im Räuberwald. An einem Samstag kommt uns auch eine junge Familie besuchen. Nur leider nicht, um zu helfen. Die Frau hielt in ihrer Hand eine kleine Tragebox in der sie zwei Meerschweinchenböcke transportierte. Wir begrüßten sie freundlich, und sie kam gleich zu ihrem Anliegen. Sie habe sich vor einer Weile in einem Zoofachgeschäft drei Meerschweinchen gekauft. Zwei davon seien Böcke und nicht kastriert. Diese beiden möchte sie auf dem Lottihof abgeben, da ihr drei auf einmal zu laut seien. Wir waren entsetzt über ihre Begründung und erklärten ihr, dass sich Meerschweinchen doch nur in einer Gruppe wohlfühlen und dass es Tierquälerei wäre, nur eines ganz einsam zu halten. Aber die gute Frau hatte ihren Entschluss gefasst und wollte die beiden bei uns abgeben. So erklärten wir ihr die Bedingungen einer Abgabe, die für uns normal sind. Zu allererst müssten die beiden kastriert werden, denn wir möchten keine Vermehrungen verursachen – Nachwuchs können wir nicht auch noch versorgen. Der Kostenpunkt läge bei 35 Euro pro Meerschweinchen, was noch sehr günstig ist. Wir ließen ihr offen, ob sie uns Geld dalässt oder sie die beiden nochmal mit nach Hause nimmt und woanders kastrieren lässt.

Des Weiteren erklärten wir ihr, dass wir pro Tier eine Aufnahmegebühr von 15 Euro nehmen. Denn wir wollen ja die Tiere bis zu einer Vermittlung versorgen können. Die Frau schaute ihren Mann verdutzt an, und ihr Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht. Sie meinte, das sei doch übertrieben, soviel Geld zu verlangen, denn so viel hätte sie nicht einmal beim Kauf bezahlt. Wir antworteten ihr, dass es uns leidtut, wir hätten aber etwa 150 Tiere, die größtenteils krank sind und dass alles viel Geld koste. Darunter seien kranke Pferde, Schafe, Ziegen, Esel, Hunde, Katzen und viele weitere Tiere. Uns sind finanziell die Hände gebunden, um einfach mal so Tiere aufzunehmen. Sie beendete daraufhin das Gespräch und sagte, dass sie sich das nochmal überlegen müsste. Mein Gedanke war sofort: Hoffentlich setzen sie die beiden nicht aus. Leider können wir auch dann diese Situation nicht verändern.

Warum kostet ein Tier aus dem Tierheim Geld?

Ich möchte auch noch auf den zweiten Vorwurf eingehen, warum ein Tier aus dem Tierheim Geld kostet. Oft fällt der Satz: „Sie können doch froh sein, wenn es ein Tier weniger ist“. Diesem Satz möchte ich zustimmen! Es ist nicht einfach, ein Tierheim oder Gnadenhof aufrecht zu erhalten. Es reicht leider nicht, jeden Tag zu hoffen, dass genug Spenden zusammen kommen. Ohne aktion tier e.V. und vor allem ohne euch Mitglieder wäre es gar nicht machbar, alle Tiere ausreichend zu versorgen.

An dieser Stelle nutze ich die Gelegenheit, um meinen großen Dank auszudrücken. Leider habe ich auch im Laufe meiner Tierschutzzeit mitbekommen müssen, wie viele Tierheime schließen mussten, da die Finanzen alles übersteigen. Denn es gehört ja leider nicht nur dazu, den Tierarzt und das Futter zu finanzieren, sondern auch Strom, Wasser, Pacht, Personalkosten. Auch dieses bringen wir schon den Kleinsten bei. Dass die Arbeit mit Kindern im Laufe der Zeit gewachsen ist, ist das Schönste. Wir gehen in Kindergärten und in Schulen, und aktion tier hat bundesweit Tierschutzklassenzimmer eröffnet, damit die Schulen speziell zum Thema Tiere unterrichten können, wobei nicht nur Haustiere eine Rolle spielen, sondern alle Tiere in der Natur und die Natur an sich. Jederzeit können Kitas und Schulen zu Projekt- oder auch Wandertagen den Lottihof oder unsere Tierheime besuchen. Nur was wir kennen, können wir lieben und werden wir auch schützen.