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Hausziegen | aktion tier Lottihof

Ziegenhaltung, gewusst wie!

Hallo, ich heiße Sarah, bin 21 Jahre alt, und bin Azubi im 3. Lehrjahr auf dem aktion tier Lottihof. Hier habe ich auch schon mein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert, und in den mittlerweile fast drei Jahren, die ich auf dem Hof bin, habe ich schon einiges erlebt und gesehen.

Die kleinen Besucher des aktion tier Lottihofs gehen gerne mit den Ziegen spazieren.
Die kleinen Besucher des aktion tier Lottihofs gehen gerne mit den Ziegen spazieren. Foto: aktion tier Lottihof

Leider kommen zu uns immer mal wieder Tiere, die in keinem guten Gesundheitszustand sind. Meist sind die Tiere befallen von Parasiten wie z.B. Haarlingen oder Läusen, sind abgemagert oder haben viel zu lange Hufe / Klauen / Krallen. So einen Fall hatten wir erst wieder vor kurzem mit zwei Ziegen. Dieser Fall hat mich dazu bewegt, diesen Bericht zu schreiben, um aufzuklären, dass auch Ziegenhaltung anspruchsvoll  ist und um zu zeigen, was man alles wissen muss.

Wo fängt man am besten an? Genau, mit dem Platz! Je nachdem, ob man hornlose oder gehörnte Ziegen halten möchte, muss man pro Ziege 2 m² bis 2,5 m² Stallfläche mit 2,5 m Höhe bieten können, da sich Ziegen bei Kälte und Regen gerne unterstellen wollen. Ziegen sind begabte Kletterer, da darf auch ein stabiler Zaun mit ca. 1,5 m Höhe nicht fehlen. Um den Ziegen etwas Spaß und Abwechslung zu bieten, kann man einen Kletterparcours oder größere Steinhaufen aufstellen.

Was benötigen Ziegen noch?

Richtig, etwas zu essen! Ziegen brauchen täglich frisches Grünfutter mit einem hohen Kräuteranteil. Im Winter, wenn das Grünfutter knapp wird, füttert man am besten Heu oder Silage. Man sollte aber bedenken, dass Silage schnell verdirbt und somit nicht gefressene Silage spätestens nach einem Tag entsorgt werden muss. Zusätzlich kann man auch etwas Saftfutter füttern (z.B. Äpfel, Möhren). Ein Mineral- und Salzleckstein sowie frisches Wasser muss den Ziegen stets zur Verfügung stehen.

Ziegen brauchen Pflege!

Und damit meine ich nicht Zähne putzen oder Klauen lackieren. Viel wichtiger, und was einige Ziegenhalter leider vernachlässigen, ist die Klauenpflege. Ziegen kommen ursprünglich aus dem Gebirge, und somit können sich dort die Klauen auf natürliche Weise abnutzen. Hier in Deutschland stehen Ziegen meist auf Wiesen oder Sandböden, da muss man nachhelfen. Wenn man drei bis vier Mal im Jahr den Klauenpfleger holt oder selber einen Klauenpflege-Lehrgang besucht, um die Klauen selber zu schneiden, ist man auf der sicheren Seite, keine Fehlstellungen oder Klauenabszesse zu bekommen. Erst vor kurzem haben wir zwei Ziegen aufgenommen. Ihre Klauen sahen furchtbar aus, sie waren viel zu lang und fingen schon an, sich einzudrehen. Nach mehrmaligem Kürzen der Klauen sahen sie wieder top aus, und die beiden Ziegen konnten wieder ohne Schmerzen rennen und klettern was das Zeug hielt.

Mit der regelmäßigen Klauenpflege und Stallhygiene lassen sich aber nicht nur Fehlstellungen und Abszesse verhindern. Es gibt natürlich auch Klauenkrankheiten, die schwerwiegend verlaufen können. Die vermutlich bekannteste Klauenkrankheit ist die Moderhinke. Die Moderhinke ist eine bakterielle Erkrankung, die sich mit sehr eitrigen Entzündungen an den Klauen zeigt und noch dazu sehr unangenehm riecht. Moderhinke entsteht durch mangelhafte Klauenpflege und feuchte Böden, da können sich Bakterien so richtig schnell verbreiten und auf andere Ziegen übergehen.

Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann es ganz schnell zur Auflösung des Klauenhorns mit einer Ablösung des Wand- und Sohlenhorns von der Klauenwand bis hin zur Ablösung des gesamten Hornschuhes (Ausschuhen) kommen. Anfangs fangen die Tiere an zu lahmen. Verschlimmert sich die Krankheit, bewegen sich die Tiere beim Fressen und beim Laufen auf den Kapalgelenken (Vorderfußwurzelgelenken) fort. Kommt es letztendlich doch zum Ausschuhen, gibt es keine Hilfe mehr für die Tiere, und sie müssen eingeschläfert werden. Natürlich gibt es nicht nur Klauenkrankheiten, es gibt noch jede Menge mehr, aber das würde den Rahmen sprengen.

Ein Parasitenbefall ist lästig

Zu guter Letzt sollte man aber nicht die Parasiten vergessen. Davon gibt es auch eine Menge wie z.B. Läuse, Haarlinge und Würmer. Dazu kann es ganz schnell kommen, und diese wieder los zu werden ist lästig. Wie man einen Parasitenbefall bemerkt? Die Tiere sind unruhig, kratzen sich vermehrt und bekommen an einigen Stellen Haarausfall. Vor einiger Zeit hatten auch wir leider Haarlinge im Ziegenbestand.

Unsere jungen Ziegen hatten aber keine großen Probleme damit, da wir das Problem schnell erkannten. Unsere ältere Ziegendame, die Wilma, hatte leider etwas mehr mit den Haarlingen zu kämpfen. Sie verlor recht schnell viel Fell, und leider magerte sie auch stark ab. Dies konnten wir aber mit Medikamenten und intensiver Pflege und guter Fütterung schnell beheben. Nach zwei bis vier Wochen mussten wir die Tiere noch einmal gegen die Parasiten behandeln, und dann war alles wieder gut. Da wir schnell gehandelt haben, ist der Befall kaum aufgefallen. Mittlerweile hat unsere Wilma wieder gut zugenommen, und auch ihr Fell wächst wieder gut nach. Wichtig ist, die Tiere regelmäßig prophylaktisch gegen Parasiten zu behandeln und zu entwurmen, dann hat man kaum bis gar keine Probleme damit.

Es wird deutlich, dass Ziegen nicht nur gute Rasenmäher sind, sondern auch viel Zeit und Pflege beanspruchen. Natürlich gibt es noch so viel mehr zu wissen und zu beachten, aber wenn man das hier alles befolgt, hat man ein gutes Grundwissen zur Ziegenhaltung und kann sich so viele Mühen, Sorgen und Geld sparen.

Notwendige Impfungen bei Ziegen:

  • Blauzungenkrankheit
  • Q-Fieber
  • Tetanus
  • Clamydienabort
  • Clostridienterotoxaemie
  • Moderhinke
  • Tollwut

Sara Bumke

Azubi auf dem aktion tier Lottihof